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Aloys Odenthal           

 

Trauer um Ehrenbürger Aloys Odenthal

Düsseldorfs Ehrenbürger Aloys Odenthal ist tot. Odenthal gehörte zu einem kleinen Kreis beherzter Bürger, die Düsseldorf in den letzten Kriegstagen durch engagiertes Eingreifen vor einer weiteren verheerenden Bombardierung gerettet und unter Einsatz seines Lebens die amerikanischen Befreier in die Stadt geführt hatte, ohne dass ein Schuss fiel. "Sein mutiger Einsatz hat nicht nur die Stadt vor weiterer Zerstörung bewahrt, sondern auch sinnloses Blutvergießen verhindert", erklärte Oberbürgermeister Joachim Erwin. "Aloys Odenthal wird immer dankbar in unserem Gedächtnis bleiben."

Im Rückblick auf das Ende des Zweiten Weltkriegs ist der 17. April 1945 das zentrale historische Ereignis für Düsseldorf. Denn mit diesem Tag - drei Wochen vor der endgültigen deutschen Kapitulation - schwiegen in der Rheinmetropole bereits die Waffen. Möglich machte dies eine elfköpfige Gruppe von Bürgern um Architekt Aloys Odenthal, den Polizeioberstleutnant Franz Jürgens und Rechtsanwalt Dr. Karl-August Wiedenhofen. Sie wollten der Stadt ein weiteres Flächenbombardement ersparen und sie kampflos an die Alliierten übergeben. Jürgens und vier "Mitverschwörer" bezahlten diesen Akt des Widerstandes mit dem Leben - sie wurden ergriffen, von Standgerichten abgeurteilt und im Hof der heutigen Franz-Jürgens-Kollegschule hingerichtet. Den anderen Mitgliedern der Gruppe gelang es unterzutauchen.

Odenthal und Wiedenhofen aber schafften es, sich zu den amerikanischen Truppen durchzuschlagen, sie zu überzeugen, von weiteren Luftangriffen abzusehen und in die Stadt einzumarschieren. Dafür war er 1985 - als letzter Überlebender der Gruppe - mit der Ehrenbürgerwürde der Landeshauptstadt ausgezeichnet worden.

Aloys Odenthal verstarb am Sonntag im Alter von 91 Jahren im heimatlichen Gerresheim. Die Beisetzung soll am kommenden Freitag auf dem Gerresheimer Waldfriedhof stattfinden.

 

1. Dezember 2003

 

 

Keine Ehrung für Antifaschisten - Düsseldorfer Ehrenbürger Odenthal verläßt CDU

Der Bezirksvertreter und Kommunist Uwe Koopmann hatte in der BV Gerresheim beantragt "Der antifaschistische Widerstand in Gerresheim und die Opfer der Nazidiktatur werden in einer Veranstaltung der Bezirksvertretung geehrt. Termin für diese Veranstaltung ist jeweils der 8. Mai als der Tag, an dem der 2. Weltkrieg beendet und das Nazi-Regime zerschlagen wurde." (hier der komplette Antrag)

Dieser Antrag wurde von der CDU-Mehrheit abgelehnt. Als Reaktion darauf trat der 88-jährige Aloys Odenthal, seit 1949 Mitglied der CDU, aus seiner Partei aus. Odenthal, der als Mitglied einer Widerstandsgruppe, die Düsseldorf kampflos den Amerikanern übergab, von den Nazis verhaftet und zum Tode verurteilt wurde, ist Ehrenbürger der Stadt Düsseldorf.

Nachfolgend ein Interview der Zeitung NRZ vom 06.06.2000


Das alles ist für mich eine Schande.

Wenn einer weiß, was Courage ist, dann Aloys Odenthal. Der 88-jährige war Widerstandskämpfer und rettete tausenden Düsseldorfern das leben, als er und seine Mitkämpfer kurz vor Kriegsende die Stadt an die Amerikaner übergaben. Jetzt tritt der Ehrenbürger aus der CDU aus. Über die Beweggründe spricht Odenthal mit bewegter Stimme.

? Ein spektakulärer Schritt, Herr Odenthal. Warum?
Ich war fast 50 Jahre Mitglied der CDU. Der Gerresheimer Bezirksvorsteher Pruchniewski und seine CDU haben im Stadtbezirk 7 den Antrag abgelehnt, am 8. Mai eine Gedenkstunde für Widerstandskämpfer
und Opfer der Nazis durchzuführen. Darüber bin ich empört.

? Der Antrag ist von der DKP.
Herr Koopmann, der den Antrag gestellt hat, und ich haben unterschiedliche weltanschaulich-politische Ausgangspunkte. Aber für sein Anliegen habe ich Verständnis, ja Symphatie. Die CDU-Vertreter haben aber nicht einmal mit ihm und den anderen Bezirksvertretern geredet. Und da geht es auch nicht um Parteuipolitik: Ich konnnte mich damals auf meine Freunde, unter denen auch Kommunisten waren, verlassen. Auf manche Katholiken dagegen nicht. Nach dem Krieg hat mir sogar ein Pastor vorgeworfen, mit den Kommunisten zusammengearbeitet zu haben. Mich hat an der CDU immer gestört, dass sie ehemalige Nazis sogar in höchsten Positionen geduldet hat - aber jeden kleinen Kommunisten so behandelt hat, als sei er persönlich für die Verbrechen Stalins verantwortlich.

? CDU-Chef Wolfgang Schulhoff will noch mit Ihnen reden. Lassen Sie sich umstimmen?
Nein. Ich lasse meine Freunde nicht im Stich, ich könnte nicht mehr ruhig schlafen. Das ist alles eine Schande.

 

 
Bürger & Heimatverein